Niedersachsen · BestattG, Stand 1. Februar 2024
Was darf ich wann? Der Ablauf in Niedersachsen
Nach einem Todesfall laufen mehrere Fristen gleichzeitig, und keine davon steht auf dem Leichenschauschein. Hier stehen sie in der Reihenfolge, in der sie Sie treffen, mit der Zahl zuerst und dem Paragrafen zuletzt.
- sofort
- Ab wann Sie einen Bestatter anrufen dürfen
- 36 Stunden
- So lange darf er zu Hause bleiben
- 8 Tage nach dem Tod
- So viel Zeit für die Beerdigung
- 20 Jahre nach jeder Bestattung
- So lange bleibt das Grab
keine Wartezeit
§ 7 Abs. 1 BestattG
§ 9 BestattG
§ 14 BestattG
Das Wichtigste vorweg
Kurz beantwortet
Der Ablauf, Frist für Frist
In der Reihenfolge, in der die Fristen laufen. Die drei ersten gelten bundesweit, der Rest ist Landesrecht.
In der ersten Stunde
Was jetzt sofort zählt
- Ab wann darf ich einen Bestatter anrufen?
Sofort. Es gibt keine Wartezeit.
Sie dürfen jederzeit anrufen, auch nachts und auch bevor der Arzt da war. Bestatter haben Rufbereitschaft rund um die Uhr. Beauftragen müssen Sie dabei niemanden: Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts, und ein seriöser Betrieb sagt Ihnen das von selbst. Abholen darf er erst, wenn der Arzt die Leichenschau gemacht hat.
keine Vorschrift, weil nichts verboten ist
- Muss ich sofort einen Arzt rufen?
Ja, unverzüglich. Ohne ihn geht nichts weiter.
Der Arzt stellt den Tod fest und schreibt den Leichenschauschein. Ohne dieses Papier darf niemand die verstorbene Person abholen, und das Standesamt beurkundet nichts. Bei einem erwarteten Tod zu Hause rufen Sie den Hausarzt, sonst den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, bei ungeklärten Umständen die 112.
Landesrecht, in allen Ländern gleichlautend
- Wer muss sich um die Bestattung kümmern?
Die Enkelkinder stehen hier vor den Eltern.
Niedersachsen ist das einzige Land, das die Enkelkinder auf Platz drei setzt. Stirbt Ihre Mutter und haben Sie selbst Kinder, sind nach Ihnen Ihre Kinder verpflichtet, und erst danach die Eltern der verstorbenen Person. Sorgt niemand, zahlt am Ende trotzdem die Familie: Die vorrangig Verpflichteten haften der Gemeinde als Gesamtschuldner.
§ 8 Abs. 3 und 4 BestattG
Am ersten Tag
Die Frist, die zuerst läuft
- Wie lange darf mein Angehöriger zu Hause bleiben?
36 Stunden nach dem Tod, dann muss die Überführung erfolgt sein.
Sie haben 36 Stunden, um sich zu verabschieden. Danach muss die verstorbene Person in eine Leichenhalle, meist die des Bestatters oder des Friedhofs. Das ist die Frist, die als erste läuft, und fast niemand kennt sie. Wenn Angehörige noch anreisen, sagen Sie das dem Bestatter: Eine Verlängerung ist möglich, sie muss aber beantragt werden. Das Gesetz sagt hier soll und nicht muss. Damit ist eine Verlängerung leichter zu bekommen als in anderen Ländern.
§ 7 Abs. 1 BestattG
In den ersten Tagen
Papiere und Termin
- Bis wann muss ich zum Standesamt?
Am dritten Werktag nach dem Tod muss die Anzeige vorliegen.
Zuständig ist das Standesamt des Sterbeorts, nicht Ihres Wohnorts. Wer im Krankenhaus der Nachbarstadt stirbt, wird dort beurkundet. In der Praxis übernimmt das der Bestatter, wenn Sie ihn beauftragt haben. Bestellen Sie gleich fünf bis zehn Sterbeurkunden: Kasse, Rente, Versicherungen, Bank und Nachlassgericht wollen jeweils ein Original.
§ 28 Personenstandsgesetz, bundesweit
In den ersten zwei Wochen
Bis die Beisetzung stehen muss
- Wie viele Tage habe ich für die Beerdigung Zeit?
Acht Tage. Das ist die kürzeste Frist aller Länder.
Bis dahin muss bestattet oder eingeäschert sein. Wenn Angehörige weit weg wohnen oder aus dem Ausland anreisen, wird das knapp; sagen Sie es dem Bestatter am ersten Tag. Soll die verstorbene Person an einen anderen Ort gebracht werden, genügt es, wenn sie in dieser Frist auf den Weg gebracht wird.
§ 9 BestattG
Über Jahrzehnte
Wie lange das Grab und die Pflicht bleiben
- Wie viele Jahre bleibt das Grab bestehen?
20 Jahre nach jeder Bestattung.
Das Wort nach jeder ist wichtig: Wird ein Grab ein zweites Mal belegt, beginnt die Frist von vorn. Bei einem Familiengrab verlängert die zweite Beisetzung damit auch Ihre Pflege- und Gebührenpflicht um bis zu zwanzig Jahre. Rechnen Sie das ein, bevor Sie ein Wahlgrab kaufen.
§ 14 BestattG
Was genau im Gesetz steht
Der Wortlaut unverändert, unsere Einordnung sichtbar davon getrennt.
Wie lange darf mein Angehöriger zu Hause bleiben?
Wortlaut · § 7 Abs. 1 BestattG
Jede Leiche soll innerhalb von 36 Stunden nach Eintritt des Todes, bei späterem Auffinden unverzüglich nach Durchführung der Leichenschau, in eine Leichenhalle überführt werden.
Wie viele Tage habe ich für die Beerdigung Zeit?
Wortlaut · § 9 BestattG
Innerhalb von acht Tagen seit dem Eintritt des Todes bestattet oder eingeäschert worden sein. Soll die Leiche an einen anderen Ort befördert oder eingeäschert werden, so genügt es, wenn die Leiche in der Frist des Satzes 1 auf den Weg gebracht wird.
Wie viele Jahre bleibt das Grab bestehen?
Wortlaut · § 14 BestattG
Die Mindestruhezeit nach jeder Bestattung beträgt 20 Jahre.
Wer muss sich um die Bestattung kümmern?
Wortlaut · § 8 Abs. 3 und 4 BestattG
Für die Bestattung der verstorbenen Person haben in folgender Rangfolge zu sorgen: 1. die Ehegattin oder der Ehegatte oder die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner, 2. die Kinder, 3. die Enkelkinder, 4. die Eltern, 5. die Großeltern und 6. die Geschwister. Sorgt niemand für die Bestattung, so hat die für den Sterbe- oder Auffindungsort zuständige Gemeinde die Bestattung zu veranlassen. Die nach Absatz 3 vorrangig Bestattungspflichtigen haften der Gemeinde als Gesamtschuldner für die Bestattungskosten. Diese werden durch Leistungsbescheid festgesetzt.
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Quellen und Stand
- Bestattungsgesetz Niedersachsen, Stand 01.02.2024 Gesetz vom 23. Februar 2022 (Nds. GVBl. S. 134)
- Personenstandsgesetz, § 28 (Anzeigefrist beim Standesamt) Bundesrecht, gilt in allen Ländern
Erfasst von Redaktion Friedhof-Verzeichnis, Stand 26.08.2026. Gebühren und Fristen ändern sich durch Beschluss der Gemeinde. Maßgeblich ist immer die geltende Satzung, nicht diese Wiedergabe. Wir beraten nicht in Rechtsfragen und stellen keinen Antrag.